Decarboxylierung von Hanf: warum manche Cannabis-Tees so hergestellt werden
Die Decarboxylierung wandelt unter Wärmeeinwirkung bestimmte saure Cannabinoide wie CBDA und THCA in ihre neutralen Formen um. Sie erklärt, warum manche Hanftees vor dem Aufguss thermisch behandelt werden, bestimmt aber nicht allein, was tatsächlich in die Tasse gelangt.
Hanftee oder Cannabis-Tee: Wovon sprechen wir?
Bei Hanftee taucht häufig der Hinweis «decarboxyliert» auf. Er bezeichnet eine Wärmebehandlung, die das Cannabinoidprofil des pflanzlichen Materials verändert. Um zu verstehen, was dies in einer Tasse tatsächlich bedeutet, müssen jedoch zwei verschiedene Vorgänge auseinandergehalten werden: die Decarboxylierung und die Extraktion durch Wasser.
Die Bezeichnungen Hanftee und Cannabis-Tee werden häufig für Getränke verwendet, die durch den Aufguss von Teilen der Pflanze Cannabis sativa entstehen. Wenn die Mischung keine Blätter der Teepflanze enthält, ist der Ausdruck Kräuteraufguss botanisch genauer.
Die genaue Zusammensetzung kann sich von Produkt zu Produkt stark unterscheiden. Sie hängt unter anderem von den verwendeten Pflanzenteilen, der Sorte, der Verarbeitung, der Lagerung und der Zubereitung ab. Der Name allein sagt daher weder aus, welche Cannabinoide vorhanden sind, noch in welcher Menge sie in das Getränk übergehen.
Saure Cannabinoide in der Pflanze
In frischem oder nur schonend getrocknetem Hanf liegt ein grosser Teil der Cannabinoide in einer sogenannten sauren Form vor. CBDA ist die saure Vorstufe von CBD, während THCA die saure Vorstufe von THC ist. Auch andere Cannabinoide haben entsprechende Vorstufen.
«Sauer» beschreibt hier die chemische Struktur des Moleküls. Der Begriff bezieht sich weder auf den Geschmack der Pflanze noch auf den Säuregrad des Getränks.
Bereits beim Trocknen und Lagern können sich diese Verhältnisse langsam verändern. Eine gezielte Wärmebehandlung beschleunigt die Umwandlung jedoch deutlich.
Was ist Decarboxylierung?
Bei der Decarboxylierung wird unter Wärmeeinwirkung eine Carboxylgruppe vom Molekül abgespalten und als Kohlendioxid freigesetzt. Dadurch kann sich beispielsweise CBDA in CBD und THCA in THC umwandeln.
Dem Hanf wird dabei kein Cannabinoid zugesetzt. Es handelt sich um eine Umwandlung bereits vorhandener Verbindungen. Das Ergebnis hängt jedoch stark von der Temperatur, der Dauer, der Feuchtigkeit und der Beschaffenheit des Ausgangsmaterials ab.
Die Umwandlung erfolgt nicht zwingend vollständig. Eine zu kurze oder zu milde Behandlung lässt einen Teil der sauren Formen bestehen. Zu starke oder zu lange Hitze kann wiederum weitere Veränderungen und den Abbau bestimmter Verbindungen begünstigen. Eine kontrollierte Decarboxylierung ist deshalb präziser als blosses starkes Erhitzen.
Warum Hanf vor dem Aufguss behandeln?
Bei einer üblichen Zubereitung erreicht das Wasser höchstens ungefähr seinen Siedepunkt und kühlt anschliessend in der Tasse ab. Die Dauer des Aufgusses ist ebenfalls begrenzt. Unter diesen Bedingungen kann eine gewisse Umwandlung stattfinden, sie reicht aber im Allgemeinen nicht aus, um die Decarboxylierung des pflanzlichen Materials schnell und gleichmässig abzuschliessen.
Eine Wärmebehandlung vor der Verpackung ermöglicht es einem Hersteller, das Cannabinoidprofil bereits vor der Zubereitung auszurichten. Ein decarboxyliertes Ausgangsmaterial enthält normalerweise einen höheren Anteil neutraler Formen als dasselbe unbehandelte Material.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Aufguss stärker, besser oder wirksamer ist. Die Angabe beschreibt in erster Linie einen Verarbeitungsschritt. Ohne Analyse lässt sie keinen Schluss auf den genauen Gehalt der Tasse zu.
Decarboxylierung und Extraktion sind zwei verschiedene Vorgänge
Die Decarboxylierung verändert die chemische Form bestimmter Cannabinoide. Die Extraktion bestimmt, welcher Anteil der in der Pflanze vorhandenen Stoffe tatsächlich in das Wasser übergeht.
Cannabinoide sind lipophil und nur begrenzt wasserlöslich. Selbst wenn das pflanzliche Material zuvor decarboxyliert wurde, gelangt daher nicht automatisch sein gesamter Cannabinoidgehalt in das Getränk. Das Wasser nimmt auch Aromen und andere besser wasserlösliche Pflanzenbestandteile auf.
Mehrere Faktoren können die Zusammensetzung des Aufgusses beeinflussen:
- Art und Menge des pflanzlichen Materials
- Zerkleinerungsgrad der Blätter oder anderer verwendeter Teile
- Wassertemperatur und Dauer des Aufgusses
- zusätzliche Zutaten der Mischung
- Lagerung und Alter des Produkts
Die auf dem Ausgangsmaterial angegebenen Werte dürfen deshalb nicht direkt als Gehalt einer Tasse verstanden werden.
Auch das THC-Profil kann sich verändern
Die Decarboxylierung betrifft nicht nur CBDA und CBD. Sie kann auch THCA in THC umwandeln. Dieser Punkt ist wichtig, weil eine Wärmebehandlung das Verhältnis zwischen saurem und neutralem THC verändert.
Eine seriöse Kontrolle darf sich daher nicht auf CBD allein konzentrieren. Sie muss das gesamte Cannabinoidprofil, die angewandte Verarbeitung und die gesetzlichen Vorgaben der jeweiligen Produktkategorie berücksichtigen.
Auch zuhause ist eine stärkere oder längere Erhitzung nicht zwangsläufig sinnvoll. Sie kann das Profil unkontrolliert verändern, ohne eine zuverlässige Dosierung zu ermöglichen. Bei einem verpackten Kräuteraufguss sollten Sie die Zubereitungshinweise des Herstellers befolgen.
Was der Schweizer Rechtsrahmen tatsächlich besagt
In der Schweiz fällt Hanf mit weniger als 1 % Gesamt-THC nicht unter das Betäubungsmittelrecht. Diese Schwelle allein bedeutet jedoch nicht, dass jedes Produkt automatisch als Lebensmittel oder Kräutertee verkauft werden darf.
Für Lebensmittel gelten zusätzliche Anforderungen. Nach Angaben des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gilt ein Aufguss aus Blättern von Cannabis sativa in der Schweiz nicht als neuartiges Lebensmittel. Diese Einordnung lässt sich nicht automatisch auf Blüten, konzentrierte Zubereitungen, Hanfextrakte oder Produkte mit zugesetzten Cannabinoiden übertragen.
Die rechtliche Beurteilung hängt somit von der genauen Zusammensetzung, den verwendeten Pflanzenteilen, dem Herstellungsverfahren, der Aufmachung und dem vorgesehenen Verwendungszweck ab. Medizinische Versprechen haben auf einem gewöhnlichen Lebensmittel keinen Platz.
Wie ist ein Produktetikett zu lesen?
Die Angabe «decarboxyliert» ist nützlich, genügt für sich allein aber nicht, um die Qualität oder Zusammensetzung eines Kräuteraufgusses zu beurteilen. Achten Sie insbesondere auf:
- die vollständige Zutatenliste
- die genannten Pflanzenteile
- die vorgesehene Verwendung des Produkts
- die Zubereitungs- und Aufbewahrungshinweise
- die Identität und die Kontaktdaten des verantwortlichen Unternehmens
Falls Cannabinoidwerte angegeben sind, prüfen Sie auch, ob sie das trockene Material oder das zubereitete Getränk betreffen. Diese beiden Angaben sind nicht austauschbar.
Für einen Aufguss aus dem ganzen Kraut verlangt das BLV einen Nachweis des erheblichen Verzehrs vor dem 15. Mai 1997. Der Blattaufguss betrifft eine wässrige Extraktion, keine allgemeine Zulassung von Extrakten. OSAV / BLV / FSVO / USAV.
Decarboxylation Study of Acidic Cannabinoids (2016) ; Tea Prepared from Dried Cannabis: What Do We Drink? (2024).
Das Wichtigste auf einen Blick
- CBDA und THCA sind saure Vorstufen von CBD und THC.
- Wärme kann diese Moleküle durch Decarboxylierung in ihre neutralen Formen umwandeln.
- Heisses Wasser allein bewirkt bei einem üblichen Aufguss im Allgemeinen keine schnelle und vollständige Decarboxylierung.
- Die vorgängige Behandlung verändert das Ausgangsprofil, garantiert aber nicht, wie viele Cannabinoide in die Tasse gelangen.
- Auch das THC-Profil kann sich verändern, weshalb eine kontrollierte Verarbeitung und Analyse wichtig sind.
- In der Schweiz ist die THC-Schwelle des Betäubungsmittelrechts nicht die einzige Regel, die für einen als Lebensmittel angebotenen Hanfaufguss gilt.
Die Decarboxylierung ist somit weder ein Wirkungsversprechen noch ein Qualitätsmerkmal für sich. Sie ist eine technische Information, die zusammen mit den Zutaten, Analysen, Zubereitungshinweisen und der rechtlichen Einstufung des Produkts gelesen werden muss.



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